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19.07.2017

Privatbank gekauft: Bawag übernimmt Südwestbank mit Gleiss Lutz

Die Südwestbank bekommt neue Eigner aus Österreich. Die Stuttgarter Privatbank wird von der Wiener Bawag P.S.K. übernommen,  die damit ihren ersten Zukauf in Deutschland tätigt. Eigentümerin der Südwestbank ist bislang die Santo Vermögensverwaltung, hinter der die Unternehmer-Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann stehen. Die Aufsichtbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Jan Balssen

Jan Balssen

Schon Ende Mai war bekannt geworden, dass Bawag die Südwestbank übernehmen möchte. Die süddeutsche Traditionsbank mit ihren 28 Filialen in Baden-Württemberg ist eine ehemalige Genossenschaftsbank der DZ Bank. Aktuell zählt sie rund 650 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von rund 7 Milliarden Euro. Die einstigen Hexal-Gründer Strüngmann zahlten 2004 rund 100 Millionen Euro, als sie die Bank übernahmen und zur Privatbank umwandelten. 2014 hatten sie ihr eine umfangreiche Kapitalerhöhung ermöglicht. Der Weiterverkauf an die Bawag durchläuft nun das übliche Eigentümerkontrollverfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Bawag P.S.K. entstand 2005 durch die Zusammenführung der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.) mit der Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag). Mehrheitsgesellschafter der viertgrößten Bankengruppe Österreichs ist die New Yorker Beteiligungsfirma Cerberus Capital Management mit 52 Prozent, weitere 40 Prozent der Anteile hält der angelsächsische Vermögensverwalter Golden Tree. In Österreich hat die Bankengruppe, die eine Bilanzsumme von 40 Milliarden Euro aufweist, bereits einige Finanzinstitute erworben: Vom Volksbanken-Verbund übernahm sie im letzten Jahr die Start-Bausparkasse und die Immo-Bank, im Jahr zuvor hatte sie von der ÖVAG-Abbaugesellschaft die VB Leasing Finanzierungsgesellschaft mit zwei Beteiligungen angekauft.

Berater Bawag P.S.K.
Inhouse Recht (Wien): Dr. Guido Jestädt (General Counsel), Dr. Hutan Rahmani (Head of Corporate Legal and Corporate Office)
Gleiss Lutz: Dr. Jan Balssen (München), Dr. Christian Cascante (Stuttgart; beide Federführung), Peter Carl (München; alle Corporate/M&A), Frank Schlobach (Finanzierung), Dr. Maximilian von Rom (Bankaufsichtsrecht; beide Frankfurt), Dr. Jens Günther (Arbeitsrecht; München), Dr. Jacob von Andreae (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Dr. Johann Wagner (Hamburg), Dr. Stefan Mayer (Frankfurt; beide Steuerrecht), Dr. Iris Benedikt-Buckenleib (Kartellrecht; München), Dr. Thomas Kulzer (Finanzierung), Dr. Philipp Naab (Immobilienrecht), Dr. Dirk Scherp (Compliance; alle Frankfurt), Dr. Alexander Molle (IP/IT), Dr. Christian Hamann (Öffentliches Recht; Berlin); Associates: Dr. Michael Ilter (Frankfurt), Dr. Verena Koppmann, Dr. Johannes Wittmann (alle München), Sava Kasaliyski (Stuttgart; alle Corporate/M&A), Dr. Dr. Tajan Tober, Dr. Benjamin Herz, Eva Legler, Dieu Hong Mai (alle Finanzierung), Dr. Christoph Skoupil (Compliance; alle Frankfurt), Christian Köhli (Kartellrecht), Dr. Matthias Böglmüller (Arbeitsrecht; beide München), Oksana Weber-Kim, Dr. Claudia Wirth (Immobilienrecht; beide Frankfurt), Matthias Schilde (IP/IT; Berlin), Kevin Grimmeiß, Dr. Eva Koch (beide Öffentliches Recht; beide Düsseldorf), Christian Heinrichs (Steuerrecht; Frankfurt)

Berater Unternehmerfamilie Strüngmann
Boorberg (Stuttgart): Wolfgang Boorberg − aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Gleiss-Finanzierungspartner Schlobach hatte bereits früher Kontakte zur BAWAG. Das M&A-Team um die Transaktionspartner Balssen und Cascante konnte sich dann im Pitch für den grenzüberschreitenden Bankenzukauf durchsetzen. Jestädt, der die Rechtsgeschäfte der Bawag inzwischen als General Counsel verantwortet, kann als früherer Leiter International Corporates selbst reichlich Transaktionserfahrung vorweisen. Das gleiche gilt für Hutan Rahmani, der als Corporate Legal & Beteiligungen bei der Immobiliengesellschaft Conwert tätig war, bevor er zur Bawag-Gruppe wechselte. In Österreich wird die Bawag-Gruppe bei Deals in der Regel von bpv Hügel unterstützt, Dorda hingegen ist bei Rechtsstreitigkeiten an ihrer Seite. Für die steuerliche Due Diligence wurde hier dem Vernehmen nach Deloitte mandatiert.

Als die DZ-Bank ihre Anteile an der Südwestbank verkaufte, wurde sie von White & Case-Partner Matthias Kasch beraten, der auch ihre umfangreiche Fusion mit der WGZ Bank 2015/2016 aushandelte. Die Strüngmann-Brüder vertrauen schon seit Anfang der 1990er Jahre dem Stuttgarter Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Boorberg. Er hatte für sie auch den milliardenschweren Verkauf von Hexal an Novartis geregelt. Boorberg amtiert zudem bei der Südwestbank im Aufsichtsrat. (Sonja Behrens)

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