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05.05.2017

Nach der Reform: ADAC sortiert sich mithilfe von Freshfields und Ladenburger neu

Am Wochenende treffen sich in Nürnberg die Delegierten zur Hauptversammlung des ADAC. Es ist die erste Sitzung nach der Neuaufstellung des Automobilclubs. Diese war nach einem Manipulationsskandal um den Autopreis „Gelber Engel“ beschlossen worden. Durchgesetzt hatte sich nach heftigen Auseinandersetzungen ein Drei-Säulen-Modell aus Verein, einer gemeinnützigen Stiftung und der neu gegründeten ADAC SE.

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Tobias Larisch

An der neuen kommerziellen Einheit, die mithilfe einer Vorratsgesellschaft als Societas Europaea (SE) gegründet wurde, ist der ADAC e.V. mit 74,9 Prozent beteiligt. Die intensiven Verhandlungen zwischen den Vorstandsvertretern und den Arbeitnehmern zur Umstrukturierung und SE-Gründung dauerten nach JUVE-Informationen rund sechs Monate. Dabei ließen sich die Arbeitnehmer von dem sogenannten Besonderen Verhandlungsgremium vertreten.

Der ADAC-Verein mit seinen 18 eigenständigen ADAC-Regionalclubs und knapp 20 Millionen Mitgliedern hat weiterhin seinen Schwerpunkt in der Pannenhilfe. Das Amtsgericht München hatte im Januar den steuermindernden Vereinsstatus gerichtlich bestätigt und das Amtsermittlungsverfahren eingestellt, nachdem der Münchner Club nachweisen konnte, seine wirtschaftlichen Tätigkeiten abgespalten zu haben. (Az. VR 304, Fall 12)

Die ADAC Stiftung wiederum hatte im Herbst die Luftrettung übernommen. Unfallvorbeugung und Verkehrsforschung gehören ebenfalls zu ihrem Aufgabenfeld. Zudem hält die Stiftung mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent die restlichen Aktien der SE. Die gesamte Firmengruppe beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter.

Stephan Schauhoff

Stephan Schauhoff

Berater ADAC
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Tobias Larisch (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Thomas Müller-Bonanni (Arbeitsrecht), Dr. Georg Roderburg (Steuer- und Stiftungsrecht); Associate: Dr. Christian Mehrens (Arbeitsrecht)
Flick Gocke Schaumburg (München): Prof. Dr. Stephan Schauhoff, Dr. Christian Kirchhain (beide Stiftungsrecht),  Prof. Dr. Ingo Stangl (Steuerrecht)
Inhouse Recht (München): Roswitha Mikulla-Liegert (Leiterin Recht)
Inhouse Steuern (München): Matthias Peter (Leiter Steuern)

Berater / Vertretung des Besonderen Verhandlungsgremiums 
Ladenburger (Pforzheim): Dr. Felix Ladenburger (Federführung), Dr. Fabian Schmeisser, Niels Jauch (alle Corporate/Arbeitsrecht)

Berater Konzernbetriebsrat
Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf): Martin Lemke (Abteilung Mitbestimmung)

Amtsgericht München (Amtsermittlungsverfahren)
Monika Andreß (Rechtspflegerin)

Felix Ladenburger

Felix Ladenburger

Hintergrund:  Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Um das von Freshfields-Partner Larisch und seinem Team ausgearbeitete – und anschließend auch umgesetzte – Drei-Säulen-Modell hatte es zunächst hitzige Diskussionen gegeben. Mit einem Gutachten von CMS Hasche Sigle hatte der Regionalclub Nordrhein noch verursacht, das Konstrukt zu verhindern – ihnen gingen die Reformen zu weit. Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr wurden die Freshfields-Vorschläge jedoch mit großer Mehrheit abgesegnet. Danach konnte auch der erfahrene Arbeitsrechtler Müller-Bonanni die gesetzlich vorgeschriebenen SE-Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Diese wurden von Ladenburger beraten, der Müller-Bonanni schon aus diversen ähnlich gelagerten Verhandlungen kennt: Beide saßen sich 2007 bei der Gründung der Porsche SE gegenüber und auch im vergangenen Jahr, als die Großbank UBS ihre europäischen Vermögensverwaltungseinheiten auf einen Sitz in Frankfurt vereinigte.

Das Team von Flick Gocke Schaumburg beriet zur Errichtung der ADAC Stiftung, sowohl im Steuerrecht als auch im Gemeinnützigkeitsrecht. Der ADAC zählt seit einigen Jahren in spezialsteuerlichen Fragen zum Mandantenkreis der Kanzlei auch über den Bonner Stammsitz hinaus. Baker Tilly konnte sich im Anschluss als laufende Rechtsberaterin für die Stiftung und die dort angesiedelte Luftrettung empfehlen. Die Koordination obliegt dem Münchner Partner Stephan Zuber.

Die Beratungskosten für den Großumbau des ADAC dürften beträchtlich gewesen sein, wenn man neben den Anwälten auch die dazugehörigen Unternehmensberater einbezieht. In einem Interview mit der Zeitung ‚Die Welt‘ bezifferte der ADAC-Präsident August Markl die Kosten für die Neuaufstellung für den Gesamt-ADAC auf 26 Millionen Euro. Wie viel davon auf den Rechtsbereich entfällt, wollte der Verein auf Nachfrage nicht erläutern. (Sonja Behrens)

Der Artikel wurde am 4.September 2017 ergänzt

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