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09.07.2012

Aus und vorbei: WestLB verschwindet mithilfe altbewährter Berater vom Markt

Die einst größte deutsche Landesbank WestLB ist seit Anfang Juli Geschichte. Zum 30.6. hatte die EU-Kommission angeordnet, die Bank endgültig zu zerschlagen. WestLB, Helaba, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), die Eigentümer der WestLB und die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung einigten sich nun doch noch rechtzeitig zum Stichtag auf einen entsprechenden Rahmenvertrag.

Klaus Riehmer

Klaus Riehmer

Eigentümer der WestLB waren der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (RSGV), der Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL), der Landschaftsverband Rheinland, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und das Land Nordrhein-Westfalen.

Das Verbundgeschäft der WestLB mit 40 Milliarden Euro Bilanzsumme ist nun auf die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen übergegangen. Vorab wurde die Verbundbank von den nordrhein-westfälischen Sparkassenverbänden und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit einer Milliarde Euro Kapital ausgestattet. Die Übertragungsprozess soll bis Mitte September beendet sein.

Rund 100 Milliarden Euro aus dem WestLB-Portfolio hat die EAA übernommen. Die Bad Bank der WestLB soll die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten bis zum Jahr 2028 abwickeln. Der Rest der WestLB wird in Form der Servicegesellschaft Portigon weitergeführt. Portigon gehört zu 100 Prozent dem Land Nordrhein-Westfalen.

An den Verhandlungen beteiligte Anwälte schlossen bis zuletzt nicht aus, dass die Frist der EU-Kommission ohne belastbares Ergebnis verstreichen würde. Die Abwicklung der Landesbank galt wegen politischer Implikationen und der zerklüfteten Eignerstruktur als so schwierig, dass selbst EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia den Zeitplan öffentlich in Frage stellte. Auch in den Wochen vor Unterzeichnung des Rahmenvertrags gab es wiederholt Streit um Einzelaspekte.

So entdeckte die Helaba Anfang Juni, dass die zur Übernahme anstehenden Teile der WestLB auch ein 4,2 Milliarden Euro schweres Derivatepaket beinhalteten, dessen Verlustrisiko auf 230 Millionen Euro beziffert wurde. Die Helaba weigerte sich daraufhin, das Portfolio mit zu übernehmen und drohte, die gesamte Transaktion platzen zu lassen. Das Land NRW und die EAA schlossen eine Übernahme der Risiken zunächst ebenfalls aus. Schließlich sagte die EAA dennoch zu, 150 Millionen Euro durch Umwandlung bestehender Garantien bereitzustellen. Den Restbetrag konnte die WestLB aus ihrem überraschend verbesserten Ergebnis abdecken.

Benedikt Wolfers

Benedikt Wolfers

Zudem weigerten sich die Sparkassen noch Ende Juni, Portigon-Einlagen auch nach der Übernahme durch NRW weiter über die Sicherungseinrichtung der Landesbanken abzusichern. Schließlich einigten sich die Parteien darauf, dass Portigon bis 2017 in der sparkasseneigenen Sicherungseinrichtung verbleibt. Im Gegenzug gab das Land eine Garantie für die Einlagen ab.

Berater Helaba
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Frankfurt): Dr. Klaus Riehmer (Federführung), Dr. Oliver Schröder (M&A), Dr. Gabriele Apfelbacher (Bankaufsichtsrecht), Dr. Romina Polley (Köln), Lars-Peter Rudolf (Brüssel; beide Kartellrecht), Dr. Daniel Weyde, Volker Junge (beide Steuern), Dr. Till Müller-Ibold (Beihilferecht; Brüssel), Michael Kern (Finanzierungsrecht); Associates: Dr. Peter Polke (M&A), Daniel Panajotow, Dr. Andreas Sandberger, Dr. Robert Gutte, Jochen von Berghes, Boris Witt, Andrea Baller, Laura Pfirrmann, Elena Bratanova, Jan Eltzschig, Dr. Florian Schöfer, Elisabeth Macher (alle drei Köln; alle Gesellschaftsrecht), Jens Hafemann (Steuern)
Allen & Overy (Frankfurt): Okko Behrends, Martin Scharnke (Federführung; beide Kapitalmarktrecht), Dr. Hans-Peter Löw (Arbeitsrecht); Associates: Jens Nollmann, Christian Klöpfer, Paul Przybylski, Mirja Krüger (alle Kapitalmarktrecht), Markulf Behrendt (Arbeitsrecht)
Inhouse (Frankfurt): Keine Nennungen

Berater WestLB
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Johannes Adolff, Dr. Dirk Bliesener (beide Federführung), Dr. Thomas Paul, Alexander Rang (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Axel Baumanns, Dr. Hartwin Bungert, Dr. Dirk Busch, Dr. Christian Schwandtner (alle Düsseldorf), Dr. Sven Schneider (alle Corporate), Dr. Jan Bonhage, Prof. Dr. Wolfgang Spoerr (beide Berlin), Dr. Thomas Schmidt-Kötters (Düsseldorf; alle Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht), Dr. Markus Röhrig (Düsseldorf), Dr. Hans-Jörg Niemeyer (beide Kartellrecht; Brüssel), Dr. Nikolaus Vieten (Restrukturierung); Associates: Dr. Lucina Berger, Christoph Clausen, Hannah Ehlers, Dr. Katharina Gebhardt, Dr. Sven Greulich, Dr. Holger Kleinhenz, Dr. Christoph Mehringer, Christine Messing, Dr. Marc Roberts, Malte Rosenberg, Tim Schlösser, Dr. Gunnar Schmüser, Dr. André Schneider
CMS Hasche Sigle (Düsseldorf): Dr. Rainer Kienast, Marie-Luise Kauffmann-Lauven, Thomas Glaesmann; Associates: Dr. Franziska Reiß, Dr. Susanne Mujan (alle Arbeitsrecht)
Inhouse (Düsseldorf): Dr. Michael Berghaus (Leiter Recht), Dr. Klaus Poggemann, Günter Röseler, Klaus Neuper

Berater Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung
Hogan Lovells ( Frankfurt/Düsseldorf): Dr. Tim Brandi, Dr. Franz-Josef Schöne, Dr. Sven Brandt (Kapitalmarktrecht), Dr. Michael Dettmeier, Dr. Heiko Gemmel (beide Steuer-/Bilanzrecht), Dr. Richard Reimer (Bankaufsichtsrecht), Dr. Marc Schweda (Beihilferecht; Hamburg), Dr. Martin Sura (Fusionskontrollrecht), Dr. Thomas Dünchheim (Öffentliches Recht); Associates: Olena Tokman (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Christian Reichmann, Jan Mirko Schäfer (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Antje Sadowski, Alexa Ningelgen (beide Öffentliches Recht), Stefan Giesen (Fusionskontrollrecht), Michael Strotmann (Bankaufsichtsrecht), Anna Rogge (Kapitalmarktrecht)
Inhouse (Frankfurt): Bernd Giersberg (Leiter Recht), Eva Bauer

Land NRW
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Benedikt Wolfers (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Axel Epe, Dr. Anselm Raddatz (beide Gesellschaftsrecht/M&A; Düsseldorf), Dr. Andreas von Bonin (Kartell-/Beihilfe/Außenhandelsrecht; Brüssel), Dr. Gunnar Schuster (Bank/Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Thomas Müller-Bonanni (Düsseldorf), Dr. René Döring (Köln; beide Arbeitsrecht); Associates: Dr. Thomas Voland (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Berlin), Dr. Christian Mehrens (Arbeitsrecht; Düsseldorf), Dr. Thomas Wilson, Dr. Anselm Rodenhausen (beide Kartell-/Beihilfe-/Außenhandelsrecht; beide Brüssel), Dr. Sören Ludwig (Gesellschaftsrecht/M&A; Düsseldorf)

Berater EAA
Linklaters (Düsseldorf/Frankfurt): Dr. Thomas Nießen (Federführung), Andreas Kurtze, Dr. Detlev Schuster (Berlin; alle Corporate), Dr. Laurenz Uhl,  Dr. Jörg Fried (Berlin; beide Kapitalmarktrecht;), Dr. Christian Hey (Outsourcing/IT-Recht), Andreas Steck, Antje-Irina Kurz (beide Bankaufsichtsrecht), Dr. Sebastian Benz (Steuern), Dr. Jan Endler (Europäisches/Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Michael Tepass (Arbeitsrecht), Daniel von Brevern (Kartell-/Beihilferecht) ; Associates: Dr. Sören Stöwe, Agnieszka Mögelin-Zinger, Philipp Basch, Busso Peus (alle Corporate), Dr. Tobias Kuck, Christian Wegener, Dr. Tim Mundhenke (alle Steuern), Dr. Christian Storck, William Cresswell, Cindy Breuer, Jeffery Jones, Sebastian Dey (alle Kapitalmarktrecht; Berlin), Andreas Michael Adler (Finance), Frank-Rüdiger Schommer (Corporate; Berlin), Andreas Dehio (Bankaufsichtsrecht), Kristina Zych (Europäisches/Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Daniel Pauly, Dr. Christoph Ritzer (beide Outsourcing/IT-Recht), Dr. Christian Schmitt (Litigation)
Inhouse (Düsseldorf): Dr. Gregor Garten (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt

Berater RSGV/SVWL
Morgan Lewis & Bockius (Frankfurt): Dr. Jörg Siegels (Federführung), Dr. Jens-Dietrich Mitzlaff (beide Corporate Finance), Dr. Walter Ahrens (Arbeitsrecht), Nils Rahlf (Gesellschaftsrecht); Associates: Dr. Peter Gumnior, Torge Keck, Dr. Jan Klumb, Lutz Krosien, Dr. Laurenz Littmann, Dr. Alexander Tacer
Redeker Sellner Dahs (Brüssel): Dr. Andreas Rosenfeld; Associate: Dr. Ingo Liebach (beide Beihilferecht/EU-Recht)

Berater Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe
Schumacher & Partner
(Münster): Dr. Dietmar Janzen – aus dem Markt bekannt

Berater DSGV
Inhouse (Berlin): Olaf Langner (Leiter Recht), Dr. Hartmut Frings
Salans (Berlin): Dr. Stephan Busch (Gesellschaftsrecht)

Berater Aufsichtsrat der WestLB
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Gerhard Wirth (Federführung), Dr. Stefan Mutter (Düsseldorf; beide Aktienrecht), Dr. Ulrich Soltész (EU-Recht; Brüssel), Dr. Christian Arnold (Arbeitsrecht)

Berater Betriebsrat der WestLB
Clifford Chance (Düsseldorf): Thomas Hey (Arbeitsrecht)

Hintergrund: Bei den Beratern sind ausschließlich altbekannte Gesichter anzutreffen. Sie waren bereits tätig, als WestLB mit neuem Kapital ausgestattet wurde (mehr…) beziehungsweise als die EU-Kommission die Zerschlagung festlegte (mehr…). Allen & Overy beriet speziell zum Arbeitsrecht und zum Ausbau des Zertifikate-Geschäfts, das wesentlicher Teil der übernommenen Verbundbank ist.

Kurz vor der Zerschlagung hatte Wells Fargo aus den USA ein Fondsfinanzierungsportfolio der WestLB gekauft. Bei dem Sechs-Milliarden-Dollar-Deal setzte die US-Bank auf ein Team von Mayer Brown unter der Leitung von US-Partnern. Auch ein Frankfurter Team um die Partner Dr. Heinrich von Bünau, Dr. Jörg Wulfken und Dr. Guido Zeppenfeld war involviert. Die WestLB vertraute bei diesem Deal auf ein Team von Baker & Mckenzie um die Partner Dr. Sönke Becker aus Düsseldorf, Dr. Matthias Eggert aus München und Christopher Horn aus New York.

Baker kam auch beim Verkauf ausländischer WestLB-Tochtergesellschaften zum Zuge. Die Kanzlei beriet die Landesbank zum Verkauf der brasilianischen Banco WestLB do Brasil an die Mizuho Corporate Bank sowie zum Verkauf der russischen Bank WestLB Vostok an den Mehrheitsgesellschafter der Expobank. (Parissa Kerkhoff, Norbert Parzinger)

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