JONES DAY

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Der strategisch stringente Ausbau, der die deutsche Praxis in den vergangenen Jahren prägte, zeigt immer mehr Wirkung. JD hat erneut ein Jahr mit einigen bemerkenswerten Erfolgen hinter sich. Insbesondere die Transaktionspraxis zählt fest zum Kreis der Kanzleien, die bei der Beratung von deutschen oder internat. Unternehmen bei grenzüberschreitenden Transaktionen zu sehen sind (z.B. für Hilti u. Procter & Gamble). Auch ihre Arbeit bei öffentlichen Übernahmen hat sich dabei zu einer Konstante entwickelt. Eine besonders vielversprechende Entwicklung ist dabei, dass hier neben den zentralen Akteuren Ansgar Rempp u. Johannes Perlitt ein Team an jüngeren Anwälten immer mehr Erfahrungen sammelt u. ins Rampenlicht treten kann. Dass JD komplexe Transaktionen wie die Beratung von PAG Asia Capital beim Verkauf von Takata u. Procter & Gamble beim Kauf einer Merck-Sparte parallel betreut, unterstreicht, dass sie hier inzwischen mehr Kapazitäten aufbieten kann als vor einigen Jahren.
Durch Dr. Kerstin Henrich hat sich zudem eine Branchenspezialisierung im Energiesektor aufgebaut, die bei mehreren Deals um On- u. Offshorewindparks gefragt war. Bei den Börsengängen von HelloFresh u. Delivery Hero kamen durch die Zusammenarbeit von Münchner u. Frankfurter Partnern zudem Synergien zwischen der Venture-Capital-Praxis mit den Aktien- u. Kapitalmarktrechtlern zum Tragen.
Besonders auffällig zeigten sich Fortschritte auch im Frankfurter Büro, das sich einigen Weggängen zum Trotz im Vorjahr stabil zeigte. Der fachlich breit aufgestellte Dr. Johannes Willheim, der vor 2 Jahren dazukam, ist weiterhin zentral für die Weiterentwicklung der Compliance-, ebenso wie der Prozesspraxis, indem er die interne Vernetzung voranbringt. Zudem investierte JD in Verstärkung für das bislang kleine Bank- u. Finanzrechtsteam, das durch 2 Quereinsteiger von der EZB u. der UBS erweitert wurde, u.a. mit dem ehem. General Counsel der UBS, Dr. Michael Fischer. Hier bietet sich die Möglichkeit, mit der verstärkten bankaufsichtsrechtlichen Kompetenz nun die Verbindungen zur Londoner Praxis verstärkt anzugehen.
Doch gehört JD zu den US-Kanzleien, die neben Corporate u. Finance auch andere Stärken der US-Praxis abbilden. Dazu zählt zum einen die Arbeit des angesehenen Patentrechtsteams, aber auch die Art u. Weise, in der die Kanzlei das Thema Datenschutz frühzeitig entwickelt hat. So konnten die Spezialisten in München u. Brüssel, wo ebenfalls deutsche Anwälte tätig sind, zusammen mit dem starken US-Netzwerk einige internat. tätige Unternehmen wie Toyota, die Rat im Zshg. mit Connected Services suchten, aber auch deutsche Unternehmen von sich überzeugen. Bei der Procter-&-Gamble-Transaktion kamen die Datenspezialisten ebenfalls zum Einsatz.
Besondere Stärken: Patent.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 80
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei mit globaler Reichweite. In Europa starke Büros in London u. Paris. Im internat. zusammengesetzten Brüsseler Büro sind auch mehrere deutsche Anwälte tätig.
Entwicklung: Die Kanzlei macht seit einiger Zeit immer wieder durch gezielte Zugänge auf sich aufmerksam. Weggänge hat es zuletzt kaum noch gegeben. Auf der Basis dieser stabilen Mannschaft hat sie schon einige bemerkenswerte Erfolge erzielt, doch sind es nach wie vor nur einige wenige Partner, die sich besonders intensiv für die gemeinsame Geschäftsentwicklung einsetzen. Dies ist zwar Teil der Kanzleikultur, die auf unternehmerische u. marktpräsente Partner setzt, doch schöpft die Kanzlei so ihr Potenzial nicht aus. Beispielsweise pflegen sowohl einige Patent- als auch Kartellrechtler u. Corporate-Anwälte Schwerpunkte im Gesundheitssektor, ohne dass hier gemeinsames Geschäft entwickelt wird, wie es in manchen anderen integrierten Kanzleien praktiziert wird. Während sich die Kanzlei hier keinem unmittelbaren Druck ausgesetzt sieht, dürfte dies in einem Trendbereich wie dem Datenschutz anders aussehen: Denn hier bauen derzeit viele Kanzleien ihre Kapazitäten aus, sodass JD ihren derzeitigen Vorsprung verteidigen muss.
Mit ihrer erfolgreichen Bilanz der vergangenen Jahre kann sie jedenfalls in ihrer Corporate-Praxis den Rückzug von Dr. Karsten Müller-Eising in den of-Counsel-Status gut verkraften. Dass sie in der Lage ist, attraktive Quereinsteiger anzuziehen u. fähige Nachwuchspartner hervorzubringen, hat sie in den letzten Jahren immer wieder bewiesen.
Dass JD sich mit den Verfassungsbeschwerden gegen die Durchsuchung ihrer Räume u. Aktenbeschlagnahme durch die Münchner Staatsanwaltschaft im Rahmen der VW-Untersuchungen nicht durchsetzen konnte, zählte zu den Enttäuschungen des Jahres. Erste Reaktionen legen allerdings nicht nahe, dass dies ihren – bislang noch moderaten – Bemühungen im Compliance-Bereich einen nennenswerten Dämpfer erteilt hat.
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