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12.10.2017

Verlust für Allen & Overy: Neil Weiand geht zu Linklaters

Allen & Overy verliert die prägende Figur ihrer deutschen Praxis: Der Bank- und Finanzrechtsspezialist Dr. Neil Weiand (55) wechselt zu Linklaters. Ein Personalcoup von vergleichbarer Dimension war Linklaters zuletzt vor fast genau zehn Jahren gelungen, als der Gesellschaftsrechts-Partner Dr. Ralph Wollburg von Freshfields Bruckhaus Deringer kam. Der genaue Zeitpunkt seines Wechsels ist noch nicht bekannt.

Neil Weiand

Neil Weiand

Weiand, der in das Frankfurter Büro von Linklaters einsteigt, verkörperte wie kein anderer Partner die Aufwärtsentwicklung der deutschen Allen & Overy-Praxis. Er kam 1998 zur Kanzlei, zwei Jahre später wurde er zum Partner ernannt. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich Weiand zu einem der führenden Kreditfinanzierungsexperten in Deutschland. Zugleich schlug er die Brücke zwischen den Finanz- und Corporate-Praxen, aber auch zwischen den Büros in London und Deutschland. Von Anfang an hatte Weiand einen guten Stand bei der Londoner Kanzleispitze: Ab 2006 gehörte er als einziger kontinentaleuropäischer Partner dem International Board der Kanzlei an.

Neun Jahre lang führte Weiand als Senior-Partner in einer Doppelspitze gemeinsam mit den jeweiligen Managing-Partnern die Geschicke der deutschen Praxis von Allen & Overy. Vor allem unter der Führung von Weiand und Dr. Gottfried Breuninger expandierte Allen & Overy stärker als jede andere Großkanzlei in Deutschland, warb etliche angesehene Partner von anderen Top-Kanzleien ab und rückte unter die zehn umsatzstärksten Kanzleien in Deutschland vor. Inzwischen ist allerdings unübersehbar, dass die Zeiten personellen Wachstums auch bei Allen & Overy vorbei sind. Das neue Management steht vor allem vor der Herausforderung, die Verjüngung der Partnerschaft voranzutreiben und eine Reihe – teils ungewollter – Abgänge zu verkraften.

Deutsche Konzerne im Blick

In seiner fachlichen Domäne, der Kreditfinanzierung, gab Weiand der Allen & Overy-Praxis früh einen entscheidenden Dreh: So erkannte er, dass es im deutschen Markt mehr als den Magic-Circle-typischen Fokus auf Bankenberatung braucht. Folglich konzentrierte sich Weiand darauf, gerade deutsche Konzerne als Mandanten zu akquirieren – ein Kniff, der sich heute, da Banken die juristische Beratung mehr und mehr zur Sache ihrer eigenen Rechtsabteilungen machen, stärker denn je auszahlt. Die Finanzierung der Monsanto-Übernahme für Bayer bildete für Weiand und Allen & Overy den sichtbaren Höhepunkt dieser Entwicklung.

Von Weiands exzellentem Ruf auf Corporate-Kreditnehmerseite könnte nun auch Linklaters profitieren: Die Kanzlei hat in ihren Reihen Corporate-Schwergewichte wie Wollburg und Prof. Dr. Hans-Ulrich Wilsing, die schon seit etlichen Jahren äußerst erfolgreich als Stammberater diverser Großkonzerne agieren. Bislang gelang es Linklaters indes seltener als anderen, gesellschafts- und finanzrechtliche Mandantenbasis miteinander zu verzahnen. Hier könnte nun Weiand seine starken integrativen Fähigkeiten ausspielen und auch eigene Kontakte einbringen. Der Finanzierungspraxis könnte Weiand zudem den nötigen Schub verleihen: Zwar gehört Linklaters in Deutschland nach wie vor zu den ersten Adressen insbesondere für bankenseitige Beratung. Nach mehreren Abgängen in den letzten Jahren – unter anderem wechselte Dr. Eva Reudelhuber zu Gleiss Lutz – hat das Team allerdings noch nicht zu seiner einstigen Bedeutung zurückgefunden. (Eva Lienemann, Norbert Parzinger, Aled Griffiths)