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20.09.2017

Stahlriese: Linklaters-Mandantin Thyssenkrupp plant Fusion mit Tata

Thyssenkrupp und der indische Konzern Tata wollen ihr europäisches Stahlgeschäft zusammenlegen. Die beiden Unternehmen haben heute eine entsprechende Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, nachdem sie zuvor ein Jahr lang darüber verhandelt hatten. Der endgültige Vertrag soll Anfang des kommenden Jahres unterschrieben werden. Durch die Fusion könnten bis zu 2.000 Arbeitsplätze bei Thyssenkrupp wegfallen, 2.000 weitere könnten bei Tata Steel betroffen sein, teilten die Konzerne mit.

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Sitz des Joint Ventures, von dem sich die Konzerne Synergieeffekte in Höhe von 400 bis 600 Millionen Euro erhoffen, soll Amsterdam werden. Je zur Hälfte wird es Thyssenkrupp und Tata gehören. Der Aufsichtsrat der Essener muss allerdings den Plänen noch zustimmen.

Im Vorfeld hatten bereits die Arbeitnehmervertreter in dem Gremium signalisiert, dass sie gegen die Zusammenlegung stimmen wollen. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger betonte nach Bekanntgabe, die Einschnitte seien notwendig, um langfristig Zehntausende Arbeitsplätze zu sichern. Mit rund 48.000 Mitarbeitern soll Thyssenkrupp Tata Steel nach Arcelor Mittal zweitgrößter Stahlproduzent Europas werden.

In den vergangenen Monaten konnte Thyssenkrupp seine schwer defizitären Stahlwerke in Brasilien und 2013 das US-Werk in Alabama an Arcelor Mittal und Nippong Steel abstoßen. Beides waren wichtige strategische Verkäufe für den kriselnden Stahlkocher.

Bevor aus dem sogenannten Memorandum of Understanding ein finaler Transaktionsvertrag wird, muss nun eine umfangreiche Due Diligence auf beiden Seiten erfolgen.

Martin Schlag

Martin Schlag

Berater Thyssenkrupp
Inhouse Recht (Essen): Dr. Martin Schlag (General Counsel Corporate Advice)
Inhouse Steuern (Essen): Michael Brödel (Bereichsleiter Steuern und Zölle)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Kristina Klaaßen-Kaiser (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Sebastian Benz (Steuerrecht), Dan Schuster-Woldan, Claire Petheram (beide London), Guido Portier (Amsterdam; alle Corporate); Associates: Dr. Alexander Jüngst, Dr. Tobias Bünten (beide Corporate/M&A), Christian Wegener (Steuerrecht), Gareth Craft, Benjamin Wilkinson (beide Corporate; beide London)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Martin Klusmann, Juliane Ziebarth (beide Fusionskontrolle/Kartellrecht)

Berater Tata Steel
Slaughter and May (London): Robin Ogle, Padraig Cronin, Andrew McClean (alle Corporate/M&A)
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Christof Jäckle, Dr. Karsten Schmidt-Hern (beide Corporate/M&A), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht), Dr. Matthias Scheifele (Steuern; München)
De Brauw Blackstone Westbroek (Amsterdam): Mark Rebergen, Anja Mutsaers (Corporate/M&A)

Christof Jäckle

Christof Jäckle

Hintergrund: Der langjährige Thyssenkrupp-Jurist Schlag ist gemeinsam mit dem Linklaters-Team schon seit mehr als einem Jahr in die Gespräche mit Tata eingebunden. Parallel dazu betreuten sie die Vertragsverhandlungen zu den Werksverkäufen in Brasilien und den USA. Schlag setzte auch da schon auf den renommierten Partner Wollburg, der den Konzern schon lange berät, und Partnerin Klaaßen-Kaiser, die nun erneut mit in der Federführung agierte. Linklaters war im ersten Schritt für die Corporate- und steuerlichen Fragen zuständig.
Thyssenkrupp verbindet auch mit Freshfields eine lange Zusammenarbeit. Unter anderem haben deren Kartellrechtler das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Schienen- und dem Aufzugskartell vertreten.
Tata Steel hat beim Vorvertrag nach JUVE-Informationen auf Slaughter und May vertraut. Mit der britischen Kanzlei arbeitet Tata regelmäßig zusammen. Als deutsche Best-Friends-Kanzlei kam Hengeler zum Zug. (Christiane Schiffer)